Endlich hatten Felix und Jens einen gemeinsamen Termin für eine größere Seekajaktour gefunden. Die Vorfreude war entsprechend groß, denn schon in der Vorbereitung wurden lange gehegte Wünsche diskutiert. Das Motto der Tour war schnell gefunden: Leuchttürme.

Felix hatte schon lange den legendären Leuchtturm Roter Sand auf seiner Wunschliste. Der 1885 errichtete Turm steht rund 13 Kilometer vor der Küste in der Außenweser und gilt als einer der bekanntesten Offshore-Leuchttürme Deutschlands. Sein markantes rot-weißes Erscheinungsbild macht ihn zu einer echten Ikone der Nordsee.

Jens wiederum hatte seit Jahren den Leuchtturm Hoher Weg im Blick. Der rote/grüne Turm markiert seit 1856 den Weg durch das Fahrwasser zwischen Weser und Jade und gehört zu den ältesten erhaltenen Leuchttürmen in der deutschen Nordsee.

Wie so oft führte die Planung schließlich zu einem Kompromiss. Statt nur einen oder zwei Türme anzusteuern, entstand eine Route mit gleich drei Leuchttürmen auf der Strecke: Mellumplate/Warnstelle Mellum, Alte Weser und Roter Sand.

Die Tide passte perfekt, allerdings bedeutete das auch eine frühe Abfahrt. Bereits um 7:30 Uhr sollte es losgehen. Das Wetter zeigte sich von seiner extremen Seite. Das Autothermometer kletterte deutlich über die 30-Grad-Marke.

1 Aufbruch

Startpunkt der Tour war Horumersiel. Die Übernachtung vor der Tour wurde allerdings durch ein heftiges Gewitter deutlich spannender als geplant und erhöhte die ohnehin vorhandene Aufregung vor der anspruchsvollen Strecke noch einmal.

Das erste Learning der Tour gab es dabei bereits in der Nacht: Egal wie gut die Wettervorhersage aussieht: Die Abspannleinen am Zelt werden immer benutzt.

Am Morgen danach war von dem Gewitter nur noch dunkle Wolken am Horizont zu sehen. Strahlender Sonnenschein und blauer Himmel begrüßten uns. Nur eine kurze Diskussion über die Wetterentwicklung sorgte dafür, dass sich der Start um etwa 30 Minuten verzögerte.

Diese wurden später jedoch mühelos wieder aufgeholt. Durch die Suche nach einer geplanten Pausen-Sandbank, die schließlich verpasst wurde, zum Beispiel.

Aber von vorne.

Bei sonnigem Wetter und gleichzeitig vorhandener Gewitterwahrscheinlichkeit fiel die Wahl auf Trockenanzüge. Rückblickend darf diese Entscheidung zumindest kritisch hinterfragt werden.

Nach dem Start lief zunächst alles wie am Schnürchen. Kräftige Strömung und Rückenwind sorgten für ein erstaunlich hohes Tempo. Die Kilometer vergingen förmlich von selbst. Begeisterung über die Bedingungen und zahlreiche Seehundsichtungen lenkten etwas von der Navigation ab, wodurch die geplante Sandbank unbemerkt vorbeizog.

2 GanzWeitDraussen

Die erste Pause fand daher mitten auf dem Meer statt und Das zweite Frühstück wurde kurzerhand direkt im Kajak eingenommen.

Bereits nach rund drei Stunden tauchte der Leuchtturm Alte Weser, pünktlich zu Niedrigwasser, vor uns auf. Der 1964 errichtete Turm steht mehrere Kilometer vor der Küste und wirkt mit seiner Lage ganz weit draußen äußerst beeindruckend. Trotz der Entfernung zum Festland herrschten ruhige Bedingungen mit erstaunlich wenig Wellengang.

3 AlteWeser

Die Tide war inzwischen gekippt, die etwa eine Stunde nachlaufende Strömung lief noch mehr oder weniger in die gewünschte Richtung. Die anschließenden drei Kilometer bis zum Roten Sand waren so schnell zurückgelegt. Dort angekommen wartete der eigentliche Höhepunkt der Tour. Der Rote Sand ist nicht umsonst der Leuchtturm der Leuchttürme. Seine exponierte Lage mitten in der Außenweser und seine historische Bedeutung machen ihn zu einem ganz besonderen Ziel.

5 RoterSand

4 RoterSand

Dort war dann auch Zeit für die zweite Pause. Schokolade wurde vernichtet, Trinkwasser nachgefüllt und die Hitze verflucht. Spätestens jetzt war klar: Der Trockenanzug war vielleicht doch nicht die brillanteste Idee des Tages.

6 Sandbank

7 Sandbank

Der Rückweg gestaltete sich insgesamt unkompliziert. Auf einer fast karibisch wirkenden Sandbank wurde noch eine kurze Gehpause eingelegt. Anschließend durfte auch der dritte „Leuchtturm“ (Leit- und Quermarkenfeuer Mellumplate) ausführlich fotografiert werden.

8 WarnstelleMellum

Mit zunehmend müden Armen, aber bester Stimmung ging es schließlich zurück Richtung Hafen.

 

9 BlickZuruck

Eine Tour, die alles bot, was eine Nordsee-Kajaktour ausmacht: perfekte Tide, beeindruckende Leuchttürme, Seehunde, Gewitter, Sonne, Hitze und jede Menge Wasser in allen denkbaren Aggregatzuständen. Und uns ist klar, wir kommen wieder! Ein Leuchtturm fehlt nämlich noch in der Liste - der Hohe Weg.

Fakten

* Strecke: 48 km
* Zeit auf dem Wasser: 6:50 Stunden, Fahrtzeit ca. 6 Stunden
* Leuchttürme: 3
* Pausen: 3 plus ein paar kurze Orientierungsstops
* Seehunde: einige
* Verpasste Sandbänke: mindestens 1
* Geschätzter Schweißverlust: gefühlt 3 Liter
* Eine Frage bleibt: War der Trocki wirklich nötig?

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